Neuanfang unter schwierigen Vorzeichen
Fußball: Zwölf Spieler von CCI Schönaich wechseln zum KSC Böblingen - Trainer Adamo Zizzo soll nach der Winterpause folgen
Kaum hat sich CCI Schönaich aus der Fußball-Kreisliga A, Staffel II, zurückgezogen, haben die Spieler des Vereins bereits eine neue Heimat gefunden: Zwölf CCI-Akteure wechseln mit sofortiger Wirkung zum Ligarivalen KSC Böblingen. Auch ihr Trainer Adamo Zizzo soll folgen - aber erst nach der Winterpause.
Von Simon David
SCHÖNAICH/BÖBLINGEN. Es war ein unrühmlicher Abgang von CCI Schönaich aus der Kreisliga A. Erst stand das Team wegen diverser Vorfälle auf und neben dem Platz seit Monaten im Fokus, dann lieferten sich CCI-Spieler und -Verantwortliche in der Partie gegen den SV Deckenpfronn handfeste Auseinandersetzungen. Nun also das letzte Kapitel: Der Verein zog die Mannschaft am Montag vom Spielbetrieb zurück. "Es war die beste Entscheidung, nach all den Dingen, die passiert sind", erklärt Trainer Zizzo, der zuletzt vor einem Scherbenhaufen stand. "Keiner wollte mehr was machen, die Spieler kamen unmotiviert ins Training, die Moral war am Boden."
Hinzu kamen nach dem Spiel gegen Deckenpfronn hohe Geldstrafen. Neben einem Bußgeld von 350 Euro für den Verein wegen Vernachlässigung der Ordnungspflicht steht auch eine 1000-Euro-Strafe für den Trainer, der Deckenpfronns Coach Rolf Schumacher ins Gesicht gespuckt hatte, im Raum. Auch deshalb hatte sich Zizzo, der nach eigenem Bekunden ohnehin in der Winterpause den Verein verlassen hätte, mit der Abteilungsleitung den Rückzug beschlossen.
Staffelleiter Jürgen Drechsel bestätigt die Abmeldung: "Der Antrag ist bei mir eingegangen und liegt dem Württembergischen Fußballverband vor." Damit stünde der Verein als erster von drei Direktabsteigern fest. Alle bisherigen Spiele mit Beteiligung von CCI werden annulliert, alle kommenden Spiele ersatzlos gestrichen. "CCI Schönaich wurde aus der Spielwertung genommen", erklärt Drechsel den technischen Vorgang.
Allerdings: "Alle Strafen bleiben bestehen", verweist Reinhold Lange vom Sportgericht, der unter anderem die Urteile gegen den Schönaicher Club gefällt hatte, auf die sportrechtliche Seite. Soll heißen: Die 1000 Euro Geldbuße muss Adamo Zizzo bezahlen. Sollte er es nicht tun, muss CCI Schönaich dafür haften. Einspruch oder Berufung habe Zizzo jedenfalls, so Lange, bisher nicht eingereicht. Ohnehin würde der ehemalige CCI-Coach mit einem Gnadengesuch besser fahren, zumal er die Spuckattacke zugegeben hatte und davor bereits wegen acht Fällen beim Sportgericht Thema war.
Die Sperren aus dem Deckenpfronn-Spiel gegen Adnan Karakus, Daniele Novembre (einen Monat) und Nico Ortmann (zwei Monate) bleiben auch bestehen. "Daran ändert sich bei einem Vereinswechsel nichts", betont Lange. Auch Jürgen Drechsel unterstreicht: "Nico Ortmann darf etwa bis zum 1. Januar 2010 nicht für den KSC spielen."
Apropos KSC Böblingen: Fußballabteilungsleiter Hasan Egilmez freut sich über den Coup mit den ehemaligen CCI-Spielern. "Es wäre super, wenn sie schon an diesem Sonntag spielen könnten. Sie können uns helfen, die Klasse zu erhalten." Seine Hoffnung ist nicht unbegründet. Denn eine Ausnahmeregelung in den Statuten des WFV macht das möglich. So muss nach der Abmeldung eines Vereins nur ein Antrag auf Neuausstellung eines Passes - alle liegen im Fall von CCI laut Drechsel dem Verband vor - erfolgen. Diese Sonderregelung wurde eingeführt, weil Spieler meistens wenig dafür können, dass sich ein Verein abmeldet.
Aber holt sich der KSC Böblingen mit dem Zizzo-Tross nicht Probleme ins Haus? KSC-Abteilungsleiter Egilmez wiegelt ab: "Wir sind ein gefestigter Verein mit vielen Akteuren im Vorstandsbereich. Viele der Neuen haben schon einmal bei uns gespielt. Außerdem haben wir mit allen eine Regelung getroffen: Wer sich danebenbenimmt, fliegt. Diese Regel zählt auch für den Trainer." Vorwürfen, wonach Adamo Zizzo nach dem CDE Sindelfingen und CCI Schönaich mit dem KSC den dritten Verein zu Grunde richten könnte, erteilt Egilmez ebenso eine Absage: "Bei uns wird das anders. Wir sind ein toll funktionierender Verein, stehen alle, der Gesamtverein und dessen Vorsitzender, hinter dem neuen Trainer und den Spielern. Zudem ist der Coach bei uns nicht Alleinunterhalter. Er soll sich auf Fußball konzentrieren."
Jedoch wird Zizzo nicht sofort beim KSC einsteigen. "Er wollte eine künstlerische Schaffenspause, Abstand vom Fußball", erklärt Egilmez vielsagend. Danach wolle Adamo Zizzo den "totalen Neuanfang" wagen. Mit Altbekannten. Neben Mike und Marco Guadagnino, Mate Zovko, Daniele Novembre, Engin Merakli, Nico Ortmann, Eray und Koray Derin, Dominik Held, Ilkay Özelik, Edmundo Caffaro sowie Adnan Karakus werden dann zwölf Spieler von CCI beim KSC Böblingen sein. "Außerdem sind noch drei weitere Spieler im Gespräch", verrät Hasan Egilmez. Die hat der türkische Verein, der seine sportliche Heimat im Zimmerschlag hat, auch bitter nötig. Sind doch derzeit zehn Stammspieler verletzt, die sonst so spielstarke Mannschaft ist ans Tabellenende abgerutscht.
Jedoch nicht nur wegen der Fußballer ist CCI Schönaich für den KSC "ein Glücksfall", so Egilmez. Auch verspricht sich der Verein Synergieeffekte. "Zum Beispiel bei den Sponsoren. Wahrscheinlich bringt CCI einige mit." Primäres Ziel müsse aber sein, die neuen Spieler zu integrieren. "Das ist in unserem Verein ohnehin die soziale Hauptaufgabe", betont Egilmez mit Blick auf die vielen Mitglieder mit Migrationshintergrund. Dabei soll künftig Adamo Zizzo mithelfen. "Er kann das", ist Egilmez überzeugt. Genauso wie vom Klassenerhalt.











